Suche
  • Simone Preiner

TEIL 3: Bauchwandschwäche versus Rektusdiastase




Die Rektusdiastase ist eine Bauchwandschwäche. Jedoch ist nicht jede Bauchwandschwäche auch gleich eine Rektusdiastase. Nicht selten wird eine Bauchwandschwäche für eine solche gehalten, da die gleichen Symptome auftreten, wie bei einer Rektusdiastase, wie z.B. ein vorgewölbter Bauch, Rücken- oder Beckenbodenprobleme. Doch nach einer Befundung hat man festgestellt, dass die beiden Muskelstränge des geraden Bauchmuskels einen völlig normalen Abstand von bis zu 12 Millimeter aufweisen.


🤔 Wie kommt es dann zu den bekannten Beschwerdebildern, wenn anatomisch alles dort ist, wo es hingehört?


Wie ich bereits in meinem vorangegangenen Blogartikel geschrieben habe, ist das Zusammenspiel der gesamten Rumpfkapsel essentiell. Und genau dieses Zusammenspiel - von geschwächten Bauchmuskeln nach einer Schwangerschaft, einem schwachen Beckenboden, eingeschränkter Atmung, da das Zwerchfell gegen Ende der Schwangerschaft schlicht nicht mehr so schwingen kann, wie es sollte und der veränderten Körperstatik, da der Bauch mit zunehmendem Wachstum des Babys ausladend war - ist gestört in seiner funktionalen und muskulären Zusammenarbeit. Der Körper muss somit erst wieder erlernen, wie er richtig funktionieren soll. Das ist ein langsamer Prozess, bei dem sich die Körperfunktionen nach und nach umstellen müssen (Hormone wirken auch noch nach der Geburt auf das Gewebe!). Im Wochenbett leiten Physiotherapeutinnen bzw. Hebammen mit Regenerationsübungen an, wie man wieder in den Unterbauch atmen kann, sein Zwerchfell zum schwingen bringt, und das Lungenvolumen wieder erhöht. Bereits in der Regenerationszeit des Wochenbetts wird frischen Müttern angeraten, behutsam Übungen für den Beckenboden zu machen, damit man wieder erlernt, wie man seinen Beckenboden wahrnimmt, an- und entspannt.


Der Prozess der Rückbildung beginnt bereits kurz nach der Geburt. Die Gebärmutter bildet sich wenige Tage nach der Geburt auf ihre ursprüngliche Größe zurück. Doch bis sich die Organe wieder an den ursprünglichen Platz zurückschieben, die Muskeln, Bänder und Sehnen an Festigkeit gewinnen, die Muskelsysteme wieder zusammen funktionell arbeiten, das dauert und bedarf einiges an Geduld.


Vielleicht gehörst du zu den glücklichen Frauen, die schon bald nach der Geburt einen flachen Bauch haben. Dann gratuliere ich dir dazu, doch gebe ich zu Bedenken, dass deine Rückbildung deshalb lang noch nicht abgeschlossen ist, geschweige denn, deine Rumpfkapsel stabil ist. Ob dein Bauch flach oder vorgewölbt ist, tut hier nichts zur Sache, der Prozess, den dein Körper nun durchläuft, ist schließlich der gleiche und das kann sich ganz leicht mehrere Monate bis zu 2-3 Jahre hinziehen.

Nachdem deine Muskeln (Bauch, Rücken, Zwerchfell und Beckenboden) nach einer oder mehreren Schwangerschaften und Geburt/en sehr beeinträchtigt sind, müssen sie regenerieren und das richtige, funktionale Zusammenarbeiten erst wieder erlernen, und sich zusammenziehen und straffen.


Bei einer Rektusdiastase besteht all das auch, doch zusätzlich sind die beiden Muskelstränge nicht mehr in ihrer Zugrichtung.


Beides kann durch richtiges Training der Beckenboden- und Rumpfwandmuskulatur verbessert werden. Ich biete meinen mamaFIT Kursteilnehmerinnen stets eine Testung der Rumpfwandmuskulatur an, stehe mit Zusatzübungen und Fragen rund um das Thema Rektusdiastase/Bauchwandschwäche zur Verfügung und auf Wunsch gebe ich auch Einzeltrainings, bei denen innerhalb weniger Wochen – bei konsequenter Durchführung und einer Anpassung des Alltagsverhaltens – bereits große Fortschritte zu sehen und spüren sind. Da auch ich sowohl an einer breiten Rektusdiastase, als auch einer Beckenbodenschwäche zu arbeiten hatte – und das war eine langwierige Arbeit, die Zeit und Geduld in Anspruch nahm – möchte ich Frauen, die geboren haben wieder zu mehr Lebensqualität und einem besseren Wohlbefinden verhelfen.


Mit Zeit, Geduld und Konsequenz kann rückbildungstechnisch hier vieles erreicht werden!


197 Ansichten