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  • Simone Preiner-Halpern

Kein Laufen im ersten Jahr nach der Geburt


Warum ich das Laufen im ersten Jahr nach der Geburt nicht empfehle!


Lange habe ich überlegt, ob ich diesen Artikel nun schreiben soll, oder ob ich mir die Finger dabei verbrenne, da dies ein brisantes Thema ist, und ich nahezu jede Woche von einer meiner Kursteilnehmerinnen darauf angesprochen werde. Ich weiß, dass viele von euch, sehr rasch in ihr normales Fitnessprogramm einsteigen möchten und das Laufen einen ganz hohen Stellenwert bei vielen von euch hat.


Vor zwei Jahren, als ich gerade mal die Ausbildung zur Prä- und Postnataltrainerin absolviert habe (auch wenn ich mich erst nach meinen beiden Geburten in diesem Bereich spezialisiert habe, bin ich bereits seit über 18 Jahren als Gruppenfitnesstrainerin aktiv), habe ich nie in Frage gestellt, dass wir die Trainingssequenzen beim Outdoortraining durch kurze Laufstrecken bzw. zügiges Marschieren unterbrechen. Zum einen dienen diese Strecken dazu, das Herz-Kreislauf-System anzukurbeln, zum anderen haben meine Kursteilnehmerinnen so die Möglichkeit zum Austausch untereinander und wir können die tollen und unterschiedlichen Trainingsspots im Parks variieren. Alles war schön und gut, doch dann habe ich unterschiedliche Weiterbildungen betreffend Rückbildung, Beckenboden und Rektusdiastase absolviert, habe Onlinekongresse besucht, die Literatur eingehend studiert und habe für mich den Entschluss gefasst, es wäre schlichtweg kontraproduktiv mit meinen Kursteilnehmerinnen zu laufen. Warum, erkläre ich hier gerne!


Rückbildung bezeichnet den Prozess der Regeneration nach der Geburt, und der ist sicher nicht mit dem Wochenbett (also etwa 6 Wochen nach der Geburt) abgeschlossen. Mit regenerativen Maßnahmen kann und soll dieser Prozess unterstützt werden und dem Körper geholfen werden, sich selbst zu heilen. Doch das Gras wächst auch nicht schneller, nur weil man daran zieht! In den Köpfen der Frauen ist meist drin, wenn die Wundheilung abgeschlossen ist und der Beckenboden wieder fit ist, dann kann man wieder laufen gehen. Tja, falsch gedacht! Man kann den Beckenboden nicht isoliert betrachten, denn auch wenn dieser die vertikale Stoßbelastung des Laufens möglicherweise schon abfedern kann (glaub mir, das kann er nicht, auch wenn du jetzt so denkst!), deine Hormonumstellung und deine Geweberegeneration kann nach so kurzer Zeit schlicht nicht abgeschlossen sein.


Der Rückbildungsprozess dauert mindestens 1 Jahr, meistens sogar länger, viel länger! Und wenn du deinem Körper zu früh zu viel zumutest, als dein Körper bereit ist zu geben, wird dieser Prozess verzögert und endet nicht selten mit einer Organsenkung. Denn durch die Hormonumstellung, die bereits in der Schwangerschaft stattfindet und das Hormon Relaxin freisetzt, werden deine Gelenke und deine Bänder aufgelockert, deine Muskeln weich und nachgiebig.


Sei jetzt bitte ehrlich, wie oft schüttelst du dein Handgelenk bei Stützübungen aus? Hältst du dich bei Balanceübungen irgendwo an? Wie oft lugst du bei Ringbandübungen darauf, wie weit ich das Ringband dehne und fragst dich, ob meines weniger stark ist? Anmerkung: mein Söhnchen ist jetzt drei, und mein Rückbildungsprozess hat fast 2 Jahre gedauert!


Wieder zurück zum Thema 😉Ja, das hat die Natur schon gut eingerichtet, denn der wachsende Babybauch braucht schließlich Platz, dein Geburtskanal soll sich weiten und weich werden, deine Schambeinfuge (Symphyse) soll sich dehnen, damit dein Baby auch durchpasst. Dadurch werden aber auch deine Gelenke instabil. Nach der Geburt wird dieses Hormon auch nicht gleich wieder abgebaut, das braucht seine Zeit. Der niedrige Östrogenspiegel bei stillenden Müttern trägt ebenso dazu bei, dass die Muskeln weich bleiben. Auch wenn die beiden Stillhormone Oxytocin und Prolaktin den Rückbildungsprozess dahingehend unterstützen, dass die Rückbildung der Gebärmutter schneller abgeschlossen ist, die Plazentawunde schneller abheilt und es zu weniger Stauungen des Wochenflusses kommt, ist unsere Rückbildung deshalb lange noch nicht abgeschlossen. Es stimmt, dass sich die Gebärmutter innerhalb von 10 Tagen wieder von einem Gewicht von etwa einem Kilo auf ca. 70 g zurückbildet, doch bedenke, was mit den Mutterbändern dabei passiert! Diese brauchen nämlich ein gutes Jahr, um sich wieder auf ihre normale Länge (jene, von vor der Schwangerschaft) zurückzubilden. Deine Gebärmutter ist also auf eine verhältnismäßig winzige Größe zusammengeschrumpft und hängt nun auf viel zu langen Haltebändern (und das noch eine ganze lange Weile). Und jetzt möchtest du laufen gehen🤨. Da macht deine Gebärmutter zwar große Sprünge, aber Freudesprünge werden das nicht sein, denn das endet nicht selten mit einer Gebärmuttersenkung. Auch dein Beckenboden kann, aus dem gleichen Grund (Hormonumstellung nach der Geburt) noch nicht stabil sein und kann unmöglich die vertikalen Stoßbelastungen abfedern. Deine Gelenke sind noch instabil, deine Sprunggelenke werden überstrapaziert und dein Fußgewölbe ist meistens noch abgeflacht. Sei bitte ehrlich, passt du noch in die gleichen Schuhe, die du vor der Schwangerschaft getragen hast oder stehen deine hübschen High Heels – so wie bei mir – mittlerweile ganz hinten im Schuhkasten, weil du eh gerade nicht reinpasst?! Anmerkung: daran kann man arbeiten – eine ganz liebe Kollegin Beate Url ist übrigens Podologin und darauf spezialisiert!


Ich geb dir nun den Tipp, lauf mal einem Bus nach und sei dann ehrlich zu dir, wie fühlt sich das an? Ist dein Beckenboden stabil, wie fühlen sich deine Gelenke an?


Darum kann ich das Laufen im ersten Jahr nach der Geburt nicht empfehlen. Ich hab so unglaublich viel falsch gemacht und meine Rückbildung unnötig verzögert, weil ich dachte, ich kann eh alles. Dem war nicht so und nun bin ich deine Trainerin, auf die du dich verlassen kannst und ich nehme mich in die Pflicht, dich aufzuklären.


Ich bin wirklich die letzte, die nicht versteht, dass man als junge aktive Frau endlich wieder alles können möchte, was man auch schon vorher konnte. Ja, das wirst du können, wenn du deinem Körper die Zeit zum Regenerieren gibst!


In meinen Outdoorkursen kannst du dich wirklich auspowern, aber auf eine rückbildungsorientierte Weise. Ich glaub ich bin nicht bekannt für Pipistunden, die nichts bewirken. Nicht selten gehst du ohne Muskelkater heim. Ich habe jede Woche einen Muskelkater😉 Meine Trainings sind für jedes Fitnesslevel geeignet, abwechslungsreich, stets ausgewogen, sehr auf die Körpermittemuskeln ausgelegt, und dennoch formst du auch deine Beine, Arme, den Po und straffst deine gesamte Körpersilhouette – und jetzt halt dich fest, ganz ohne zu Laufen!


Und wenn dir der Sinn nach einem ordentlichen Cardiotraining steht, dann schwing dich aufs Rad, den Stepper, Crosstrainer/Ellipsentrainer, geh inlineskaten oder schwimmen. All das schadet deinem Rückbildungsprozess nicht!

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© 2019, Mag. Simone Preiner-Halpern

www.simone-preiner.at

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